Waldbesetzung "Wilde Gasse"

Für das geplante Bauprojekt „Spreehafenviertel“ soll der Wald im Norden des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg gerodet werden. Gegen die Rodung fand am 08. September 2019 das WiWa-Waldfest von Gruppen wie Extinction Rebellion, Waldretter Wilhelmsburg und Zukunft Elbinsel statt. Während des Festes entstanden zwei Baumhäuser, um den Wald zu besetzen. Eines davon das Baumhaus „Wilde Gasse“ wurde von sieben Menschen erfolgreich besetzt, das zweite wurde von der Polizei verhindert. Die Polizei stufte das Baumhaus „Wilde Gasse“ als Versammlung ein. Im Laufe des Nachmittags wurde die Versammlung durch die Polizei aufgelöst – ein Verweilen in einer solchen aufgelösten Versammlung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Da die Polizei auch davon ausging, dass es sich zudem um Hausfriedensbruch handelt sperrte die Polizei das Gebiet ab und verweigerte Essen, Trinken und Medikamente aufs Baumhaus zu lassen, ein Aktivist gab auf und kam vom Baumhaus runter. Die ganze Nacht gab es eine Sitzblockade auf dem Weg, als Solidaritätsaktion mit der Besetzung. Die Polizei leuchtete die gesamte Nacht den Wald aus und bewachte ihn. Morgens musste die Sitzblockade den Vorbereitungen zur Räumung Platz machen und wurde - teilweise mit Anwendung von Zwang - entfernt. Am Nachmittag des 9. September 2019 räumt die Polizei mit Hilfe der technischen Einheit und eines Krans das Baumhaus, konnte aber nur drei Aktivist:innen runter bringen und zur Identitätsfeststellung mitnehmen. Drei weitere kletterten so hoch in die Baumkrone, dass die Polizei sie nicht räumen konnte. Im Laufe des Tages stellte die Staatsanwaltschaft fest, dass kein Anfangsverdacht wegen Hausfriedensbruch vorliegt. Die Begründung für die Räumung lag in der Eigengefährdung der Aktivist:innen und des Verweilens in einer aufgelösten Versammlung. Aktuell sind noch drei Aktivist:innen auf dem Baumhaus und versuchen mit dem wenigen Material, das nach der Räumung noch da war, der Witterung zu trotzen. In der zweiten Nacht der Besetzungen ist es Aktivist:innen wohl gelungen ein Rucksack mit Essen an der Polizei vorbeizubringen und den Besetzer:innen zu geben. Die Situation ist auch in der dritten Nacht unverändert und ruhig, die Polizei sperrt das Gebiet ab und auf dem Baumhaus sind drei Besetzer:innen. Am Mittwoch, dem vierten Tag der Besetzung, stellt die Polizei ein Ultimatum, dass sie Bäume fällen werden, um die Aktivist:innen zu räumen, wenn diese nicht runterkommen. Gegen 13 Uhr kommen diese dann freiwillig runter und werden in Gewahrsam genommen, um die Identität festzustellen. Nach ca. 70 Stunden Besetzung bleibt nur noch die Plattform im Wald.