Die Hausbesetzung Alltuna in Hamburg Altona

Samstagmorgen kurz nach acht, die Einkaufsstraße in Hamburg Altona ist noch leer, die ersten Geschäfte öffnen gerade erst. Währenddessen hängen Aktivist:innen Transparente aus einem Haus in der Blücherstraße, das seit mehr als zwei Jahren leer steht. „Eine andere Welt ist möglich!“ - so beginnt der Text, den die Aktivist:innen um kurz nach acht veröffentlichen. Sie haben das Gebäude in den Morgenstunden besetzt, um einen selbstverwalteten Raum zu schaffen und um auf aktuelle Themen aufmerksam zu machen. Stichwörter darin: Wohnraum, Miete, Eigentum, Rassismus. Am Ende fordern sie vor allem eins: eine grundsätzlich andere Welt. Das heißt konkret: „keine Arbeit für niemand“, die Befreiung aller Gefangenen, kostenloser Wohnraum und kostenlose Gesundheitsversorgung für alle, die Aufhebung der nationalstaatlichen Grenzen und der Grenzen um Europa oder kurz gefasst: „alles allen“. Dieser alte Spruch der radikalen Linken wird hier neu interpretiert. „Alle tun alles“ oder kurz Alltuna – der Name der Besetzung und ein Wortspiel mit dem Bezirk Altona. Die Besetzer:innen sind gut vorbereitet, vor allem medial. Auf Twitter posten zwei Accounts regelmäßig Updates, auf Telegram gibt es einen Channel, der die neusten Infos liefert und im FSK-Radio geben sie ein Live-Interview per Telefon. In den ersten Stunden der Besetzung ist es ruhig, nach eineinhalb Stunden taucht der erste Streifenwagen auf um zu nachzuschauen. Anwohner:innen bleiben interessiert vor dem Haus stehen oder schauen von ihren Balkonen zu, wie die Besetzer:innen weitere Transparente am Gebäude festmachen. „Endlich passiert hier mal etwas. Ich warte seit drei Jahren, dass das Haus besetzt wird“, kommentiert eine Anwohnerin die Szene von ihrem Balkon aus. Als sich immer mehr Menschen vor dem Haus sammeln, um sich mit der Besetzung solidarisch zu zeigen, kommt auch mehr Polizei und sperrt den Straßenbereich weiträumig ab. Ab jetzt darf auch die Presse sich nicht mehr frei bewegen und muss sich in einem Hauseingang auf der anderen Straßenseite einfinden - Mindestabstand einhalten nicht mehr möglich. Lange Zeit passiert dann wieder nichts. Im Hintergrund versucht die Polizei wohl dendie Eigentümerin zu kontaktieren. Um 16 Uhr geht dann wieder alles ganz schnell. Weitere Bereitschaftspolizist:innen sowie die technische Einheit fahren vor, drei Ansagen an die Besetzer:innen das Gebäude zu verlassen, dann wird geräumt. Nachdem fünf Aktivist:innen aus dem Haus gebracht und in Gewahrsam genommen wurden, durchsucht die Polizei das Gebäude mit Hunden nach weiteren Personen. Die Menschenmenge, die sich vor und während der Räumung am Straßenende wieder gebildet hat, wird teilweise mit Zwang aufgelöst, die Transparente beschlagnahmt und das Gebäude wieder verschlossen. Nach knapp zehn Stunden ist das Alltuna wieder Geschichte. Der zweite Twitter-Account mit dem Namen @besetzenhaha, lässt aber vermuten, dass diese Besetzung erst der Anfang einer größeren Kampagne war.