Mit 1,5 Meter Abstand für 1,5 Grad

Auch in diesem Jahr blockierte das Aktionsbündnis Ende Gelände Braunkohleinfrastruktur im rheinischen Revier - pandemiebedingt mit Abstandsregeln, analoger Corona-ID und dezentralen Camps. Erstmalig blockierte Ende Gelände in diesem Jahr auch Gasinfrastruktur und besetzte ein Haus.

Mit rund 15 Fingern starteten die rund 3000 Aktivist:innen anders als in den Jahren zuvor in eher kleiner Fingern von ganz verschiedenen Orten des Rheinlands, um Kohle und Gasinfrastruktur zu blockieren. Das Aktionsbündnis Ende Gelände fordert damit den sofortigen Kohleausstieg und das Ende des fossilen Kapitalismus. "Ein Kohleausstieg 2038 ist ein Klimaverbrechen und macht das Erreichen des Pariser Klimaziels unmöglich. Aus diesem Grund nehmen wir den Kohleausstieg heute selbst in die Hand", so Ronja Weil, Pressesprecherin von Ende Gelände. Sechs Finger starteten dabei schon früh morgens im Dunkeln. Die Finger mit den Farben lila und blau fuhren gegen 6 Uhr mit dem Zug nach Frimmersdorf und liefen von dort in den Braunkohletagebau Garzweiler I. Kurz vor dem Tagebau versuchte die Polizei die Aktivist:innen mit Schlagstöcken aufzuhalten. Diese wichen über ein Feld aus und konnten in den Tagebau gelangen, wo sie dann gekesselt und in Gewahrsam genommen wurden. Der goldene Finger startete mittags aus dem Camp in Keyenberg und zündete kurz nach Verlassen des Camps Rauchtöpfe. Die Straße erreichten die Aktivist:innen aber nicht, da die Polizei mit Pferden, Pfefferspray, Schlagstöcken und körperlicher Gewalt gegen die Aktivist:innen vorging, um sie auf dem Feld zu halten. Die Polizei drängte die Aktivist:innen daraufhin wieder zurück zum Camp. Einem Teil des Fingers gelang es dabei über Feldwege dann trotzdem ihr Ziel zu erreichen und einen geschlossenen Gasthof im Dorf zu besetzen und symbolisch wiederzubeleben. In Keyenberg stehen viele Gebäude leer, da die Fläche des Dorfes in den nächsten Jahren vom Tagebau Garzweiler II bergbaulich in Anspruch genommen werden soll. Der orangene Finger zog mittags vom Camp in Lüzerath nach Keyenberg und wurde dort von der Polizei bis zu Abend gekesselt. Bei dem Versuch den Demozug mit Pferden und Pfefferspray zu stoppen, ging ein Pferd auf das anliegende Feld durch und verletzte eine Journalistin, die daraufhin ins Krankenhaus musste. Fridays For Future zog zusammen mit der Initiative "Alle Dörfer bleiben" und den Anti-Kohle-Kidz mit einer angemeldeten Demonstration bis nach Wenlo. Dort lösten sich Teile der Demonstration, um in Richtung Tagebau Garzweiler II aufzubrechen. Kurz vor dem Tagebau wurden die Gruppen gekesselt und einige Zeit später wieder zum Zielpunkt der angemeldeten Demo zurückgeführt.

Andere Finger von Ende Gelände besetzten das Kraftwerk Weisweiler, Schienen in der Nähe vom Kraftwerk Frimmersdorf und ein Kohlebunker am Tagebau Garzweiler. Erstmalig blockierte Ende Gelände in diesem Jahr auch Gasinfrastruktur mit mehreren Fingern. Dabei wurde eine Baustelle für eine Zeelink-Pipeline sowie das Gaskraftwerk Lausward blockiert. "Sauberes Erdgas ist eine dreckige Lüge. Es ist Wahnsinn, Milliarden in Erdgas, Pipelines und Frackinghäfen statt in Erneuerbare Energien zu investieren. Erdgas ist eine fossile Sackgasse und keine Brücke in die Zukunft“, sagt Kim Solievna, Pressesprecherin von Ende Gelände, dazu. Aber nicht alle Finger schafften es zum Ziel. An vielen Stellen kam es zu Auseinandersetzung mit der Polizei. Zahlreiche Finger wurden von der Polizei weit vom eigentlichen Ziel der Aktivist:innen gestoppt und gekesselt. Die Polizeinahm 47 Personen nach Verübung von Straftaten fest und 64 Personen in Gewahrsam. Zahlreichen Personen wurden Platzverweise erteilt. Die meisten davon waren am späten Abend wieder in ihren Camps zurück. Das Aktionsbündnis Ende Gelände verzeichnet den Aktionstag als Erfolg und feiert auf ihren Social-Media-Kanälen die Tagesbilanz.