Feminismus statt Vatertag

"Bollerwagen klauen und den Männertag versauen". So lautete das Motto der rund 250 Demonstrant:innen, die am 26. Mai gegen Mackertum, Sexismus und Vaterland in Hamburg auf die Straße gingen. Sie wollen sich den öffentlichen Raum an einem Tag nehmen, der nur so “trieft vor Sexismus und Mackertum”, wie die Aktivist:innen in ihrem Aufruf schreiben. Denn der “Vatertag” ist heute vor allem ein Tag, an dem Männer im öffentlichen Raum Bier trinken und sich selbst feiern.

Dabei gibt es für Männer nicht allzu viele Gründe sich zu feiern, wie die Reden der Aktivist:innen am Park Fiction deutlich machen. “Der, der uns am Ende zuzwinkert, unterbricht, anschreit, anfasst und im beschissensten Fall eben umbringt, ist immer wieder ein ganz konkreter Typ”, erzählt eine Aktivistin wütend. “Das ist der Chirurg, der FLINTA mit ihren Schmerzen nicht ernst nimmt, sondern sie als hysterische Frauen abgespeichert hat; das ist der Kollege, der uns aus Netzwerken raushält, die uns genauso viel Lohn einbringen würden, wie ihm; das ist der Typ, der ausrastet und wütend sein kann, aber sonst keine Emotionen hat und uns die Arbeit machen lässt”. Auch die eigenen Szene bleibt von Kritik nicht verschont. “Egal wo ich hinschaue werden Täter:innen geschützt”, erzählt eine andere Aktivistin. “Wie kann es denn sein, dass jede FLINTA-Person, die ich kenne schon sexualisiert Gewalt in der Szene erfahren hat, aber keine:r auf einmal Täter:innen kennt”.

Vom Park Fiction in St. Pauli führt die Demo über die Reeperbahn und den Neuen Pferdemarkt bis zum Bahnhof Sternschanze. Immer wieder machten trinkende Männer am Rand der Demo sexistische Kommentare oder fühlten sich von den Demonstrant:innen provoziert. Vereinzelt wurden sie von der Polizei gebeten weiter zu gehen. Auf Höhe der Kampstraße fing die Polizei an die Demonstration zu filmen, Polizist:innen sprangen mit Schlagstöcken in der Hand aus ihren Mannschaftswagen. Sie stoppten die Demo mit einer Polizeikette, denn einzelne Aktivist:innen trugen Schlauchschals über den angemeldeten medizinischen Masken – ein Problem für die Polizei, der Vorwurf: Vermummung. Auf die Sprüche der FLINTA*s, die die vorderen Hälfte der Demo bildeten, reagierten einzelne Polizisten mit einem breiten Grinsen – und enttäuschten Gesichtsausdrücken, als die Demo doch weiter laufen durfte.

Schon der Demoaufruf des Queer-Anarchafeministischen Kollektivs, einer FLINTA*-Gruppe aus Hamburg, sorgte für große Empörung auf Twitter. Es ist ein Foto von sechs vermummten Aktivist:innen, die mit Baseballschlägern und Bengalo im Florapark sitzen und dazu aufrufen den “Männertag zu versauen”. Für viele wohl Anlass genug den Aktivist:innen mit Gewalt zu drohen oder direkt einen Mordaufruf anzudeuten. Nicht zuletzt deshalb laufen neben dem FLINTA-Block auch Aktivist:innen in 3er-Gruppen, um das Umfeld im Blick zu behalten und Männergruppen schon vor einer möglichen Konfrontation bestimmt zu sagen, dass sie doch bitte gehen sollen.

Entgegen der Erwartungen der Kommentarschreiber:innen auf Twitter verlief die Demo friedlich. Nach Ende der Demo versuchte die Polizei augenscheinlich trotzdem Festnahmen zu machen. Dafür lief ein ganzer Trupp der Einsatzhundertschaft gezielt einer Demonstrantin über mehrere Seitenstraßen hinterher. Erst als der Abstand zu groß wurde und kleinere Menschengruppen die Polizist:innen weiter ausbremsten ließen sie von der Verfolgung ab.