Protest gegen Verdrängung: "Recht auf Kiosk"

In Hamburg Wilhelsmburg fand am 27. Februar 2021 unter dem Motto "Recht auf Kiosk" eine kleine Kundgebung gegen "Verdrängung, Profite mit Mieten und die 'Aufwertung' des Stadtteils" statt. Aufgerufen hatte die Gruppe "Wilhelmsburg solidarisch". In mehreren Reden wurden Entwicklungen kritisiert, die dazu beitragen das Reiherstiegviertel "aufzuwerten". Ein konkrets Beispiel für die kritisierte Gentrifizierung ist ein Kiosk in der Veringstraße, der aufgeben musste, weil der Vermieter den Vertrag nach 25 Jahren nicht mehr verlängern wollte. Ein Tag vor der drohenden Zwangsräumung räumten die Betreiber:innen im letzten Jahr selbst den Laden. Der Vermieter der Ladenfläche, ein Anwalt, dessen Kanzlei nur wenige Straßen weiter liegt, möchte dort keinen Kiosk, keine Shisha-Bar, kein Wettbüro und keinen Handy-Laden mehr sehen. Das lässt zumindest ein Zettel erahnen, der über längere Zeit am Fenster des ehemaligen Kiosks hing.

Dabei lebt das Reiherstiegviertel aus Sicht der Demonstrierenden und vieler Anwohner:innen von genau solchen Läden. Es ist ein bunter Stadtteil mit Dönerbuden, Cafés, kleinen Läden und Kiosken. Hier findet man migrantische Subkulturen und linke Szeneorte. Aber wie an anderen Orten wie der Sternschanze oder dem Stadtteil Kreuzberg in Berlin, bleiben auch hier Entwicklungen der Gentrifizierung nicht aus. Die B75 wurde in den letzten Jahren verlegt, um Platz zu schaffen für ein neues Stadtviertel, der "Wilde Wald" im Norden Wilhelmsburg soll ebenfalls einem Neubaugebiet weichen. Auch hier gab es in der Vegangenheit bereits Widerstand.

Der leerstehende Kiosk ist somit nur ein weiterer Fall der Verdrängung. Im ganzen Viertel hängen Plakate und Zettel, die mit Wortspielen zum Namen des Rechtsanwalts und Vermieters auf das Thema aufmerksam machen wollen. Im Anschluss zur Kundgebung auf Stübenplatz zogen einige Demonstrierenden zur Kanzlei des Kiosk-Vermieters, um auch dort ihren Protest auf die Straße zu tragen. Die Kanzlei selbst war von der Polizei abgeriegelt und selbst der Garten hinter dem Haus durch Polizeikräfte bewacht. Nach kurzem Rufen von Parolen löste sich die Gruppe auf. Anders als die Vorbereitung der Polizei vermuten ließ, blieb es friedlich.