Der Untergang der deutschen Sprache

Während die Tagesschau auf Instagram und das Jugendmedium „jetzt“ konsequent gendern, regen sich konservative Politiker:innen sowie Autor:innen der WELT weiter über den „Gendergaga“ auf oder befürchten den Untergang der deutschen Sprache. Schließlich störten Sternchen oder Doppelpunkte den Lesefluss und seien grammatikalisch falsch. Dabei geht es am Ende doch nur um eins: Gewohnheit.

Wer noch in D-Mark rechnet und „euch“ mit großem „E“ schreibt, wird sich kaum an eine gendergerechte Sprache gewöhnen können. Für die Generationen Y und Z gehört das aber genauso zur Normalität wie englische Lehnwörter, von denen die Generation D-Mark vermutlich noch nie gehört hat. „SharePics“, „Insta-Stories“ oder „cringe“: Sprache ist immer geprägt vom Umfeld, in dem sie genutzt wird. Andererseits prägt Sprache auch unser Bild von der Welt. Wenn wir das generische Maskulinum verwenden, sehen wir FINTA*-Personen auch nur dort, wo sie unserer Erfahrung nach tatsächlich vorkommen. Oder warum steht hinter jedem generischem Maskulinum bei Jobangeboten immer ein „(m/w/d)“?

Wenn wir hingegen von Hedgefondsmanager:innen reden, ändert sich das Bild. Im besten Fall sorgt also ein Unterstrich, Sternchen oder Doppelpunkt dafür, dass wir auch an Inter, Non-Binary, Trans und A-Gender denken, also an das „d“ von „(m/w/d)“. Der Doppelpunkt wird von manchen Screenreader-Programmen tatsächlich als Pause gesprochen und ist damit nicht nur gendergerecht, sondern auch noch inklusiv.

Also sollten einfach alle Medien mit dem Doppelpunkt gendern? Nein. Wer glaubt, gendern alleine wäre die Lösung, liegt schwer daneben. Um wirklich etwas zu verändern und inklusiv zu sein, müssen Medien mehr tun als nur „:innen“ hinter das Wort zu hängen. In erster Linie bedeutet das, FINTA*, BIPoc, Behinderte und andere unterrepräsentierte Gruppen als Autor:innen, Redakteur:innen und Protagonist:innen zu Wort kommen zu lassen – und zwar grundsätzlich, nicht nur am 8. März oder weil es grade zum Thema passt. Das bedeutet zugleich, dass privilegierte weiße Cis-Männer, wie z.B. ich es bin, einfach auch mal die Klappe halten.